Der Rammbär unseres mobilen Prüfstands wiegt 3,2 Tonnen und wird auf dem Gelände des neuen Containerterminals in Bremerhaven hydraulisch positioniert. Mit jedem Schlag treiben wir einen Stahlpfahl in den weichen Klei, der unter der sandigen Decklage der Wesermarsch ansteht. Die dabei aufgezeichneten Kraft-Weg-Verläufe erlauben eine direkte Trennung von Mantelreibung und Spitzendruck, bevor wir die Daten mit der lokalen DIN 1054:2018 abgleichen. Ergänzend zur Pfahlanalyse setzen wir einen Presiometer-Versuch ein, um die seitliche Bettungssteifigkeit im bindigen Horizont zu messen, und führen bei sandigen Zwischenschichten einen CPT durch, der die Spitzendruckanteile punktgenau differenziert – eine Kombination, die in Bremerhaven wegen der heterogenen Schichtfolge unverzichtbar ist.

In den Weichschichten der Wesermarsch kann die Mantelreibung nur 15 % der Gesamttragfähigkeit ausmachen – der Rest trägt der Spitzendruck im tieferen Sand.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Bremerhaven wuchs seit dem 19. Jahrhundert auf aufgespülten Flächen der Weserinsel Luneplate und tieferen Marschböden – ein urbaner Unterbau, der heute bis 20 m weiche Mudde und Torf enthält. Wer dort Pfahlgründungen ohne differenzierte Analyse von Mantelreibung und Spitzendruck plant, ignoriert, dass die oberflächennahen Horizonte kaum nennenswerten Spitzendruck liefern, während die tieferen Sande Mantelreibungsverluste durch Wasserüberdruck kompensieren müssen. Ohne lokale Kalibrierung entstehen Setzungsunterschiede von über 5 cm zwischen Nachbarbauwerken, was in den engen Hafenblocks zu Schäden an Kranbahnen und Kaikanten führt. Die Pfahlanalyse reduziert dieses Risiko auf unter 1 cm Differenzsetzung.
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DIN 1054:2018 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN EN 1997-1:2014 (Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung), DIN 18 (Standard Test Method for High-Strain Dynamic Testing of Deep Foundations)
Zugehörige Fachleistungen
Statische Probebelastung nach DIN EN 1997-1
Belastung von Testpfählen mit hydraulischen Pressen bis 5 MN, Aufzeichnung von Kraft-Setzungs-Kurven zur direkten Bestimmung von Mantelreibung und Spitzendruck in den Marschböden Bremerhavens.
Dynamische Pfahlprüfung (PDA) mit CAPWAP
Hochgeschwindigkeitsmessung von Dehnung und Beschleunigung während der Rammung, gefolgt von einer CAPWAP-Auswertung, die die Widerstandsverteilung entlang des Pfahlschafts in den Klei- und Sandschichten liefert.
Numerische Tragfähigkeitsanalyse (FEM)
2D/3D-Finite-Elemente-Modellierung der Pfahl-Boden-Interaktion unter Berücksichtigung der lokalen Schichtprofile aus unseren Sondierungen – inklusive Sensitivitätsanalyse für Mantelreibung vs. Spitzendruck.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Mantelreibung und Spitzendruck bei Pfählen?
Die Mantelreibung ist der seitliche Widerstand des Bodens entlang des Pfahlschafts, der Spitzendruck der Endwiderstand an der Pfahlspitze. In Bremerhaven dominiert in den oberen Mudde-Schichten meist die Mantelreibung, während der Spitzendruck erst in den tieferen Sanden ab 12–18 m Tiefe relevant wird. Die Trennung beider Anteile ist für die Tragfähigkeitsbemessung nach DIN EN 1997-1 unerlässlich.
Welche Normen gelten für die Pfahlanalyse in Bremerhaven?
Maßgeblich sind DIN 1054:2018 (Baugrund – Sicherheitsnachweise) und DIN EN 1997-1:2014 (Eurocode 7). Für dynamische Prüfungen wird DIN 18 herangezogen. Die lokalen Baugrundverhältnisse der Wesermarsch erfordern zudem eine Anpassung der Teilsicherheitsbeiwerte nach regionalen Erfahrungen.
Wie viel kostet eine Pfahlanalyse mit Mantelreibung vs. Spitzendruck?
Der Preis liegt zwischen €1010 und €2.510 je nach Pfahldurchmesser, Anzahl der Messpunkte und erforderlicher numerischer Auswertung. Statische Probebelastungen sind teurer als PDA-Messungen, liefern aber genauere Daten für die Mantelreibungsermittlung. Der genaue Betrag wird nach Besichtigung vor Ort festgelegt.
Warum ist die Pfahlanalyse in Bremerhaven besonders wichtig?
Der Untergrund der Stadt besteht aus einer Wechselfolge von weichem Klei, Torf und sandigen Einschaltungen. Die Mantelreibung variiert stark mit der organischen Substanz, während der Spitzendruck erst in den pleistozänen Sanden verlässlich wird. Ohne lokale Kalibrierung drohen Setzungsunterschiede, die Hafenbauten gefährden.
Welche Prüfmethode liefert die genauesten Werte für Mantelreibung und Spitzendruck?
Die statische Probebelastung nach DIN EN 1997-1 gilt als Referenz. Für eine wirtschaftliche Alternative mit hoher Genauigkeit kombinieren wir dynamische PDA-Messungen mit CAPWAP-Auswertung. Bei heterogenen Schichten ergänzen wir die Ergebnisse durch CPT-Sondierungen, die den Spitzendruck punktgenau auflösen.