Bremerhaven wuchs im 19. Jahrhundert rasant als Hafenstadt auf Marschboden und ehemaligen Moorflächen. Der weiche, tonig-schluffige Untergrund mit hohem Grundwasserstand stellt bis heute eine besondere Herausforderung für den Tiefbau dar. Wer hier eine Stützwandbemessung plant, muss mit Setzungen und horizontalem Erddruck rechnen, die in festen Böden kaum vorkommen. In unserer täglichen Arbeit kombinieren wir daher vor jeder Stützwandbemessung eine geotechnische Baugrunderkundung mit gezielten Sondierungen, um die Schichtenprofile präzise zu erfassen. Die wechselnde Mächtigkeit von Torf, Klei und Sand erfordert eine angepasste Berechnung nach Eurocode 7 und den ZTV-ING-Richtlinien.

In Bremerhaven kann der Porenwasserüberdruck den aktiven Erddruck um bis zu 30 Prozent erhöhen – das muss jede Stützwandbemessung abbilden.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Unser Rammkernsondiergerät mit 25 kN Eindrückkraft arbeitet in Bremerhaven oft bis sechs Meter Tiefe, bevor es auf eine Sandlinse trifft. Fährt man ohne ausreichende Vorerkundung einfach mit der Stützwandbemessung los, riskiert man einen Gleitbruch entlang einer Weichschicht, die in der Planung nicht auftauchte. Wir haben in der Hafencity mehrfach erlebt, dass fehlende Porenwasserdruckmessungen zu Überschreitungen der zulässigen Wandkopfverschiebung um über vier Zentimeter führten. Das bedeutet teure Nacharbeiten und oft monatelange Verzögerung.
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Eurocode 7 (EN 1997-1:2004) – Geotechnische Bemessung, DIN 1054:2021-04 – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau, DIN 4085:2017-08 – Baugrund, Berechnung des Erddrucks, EA-Pfähle (2014) – Empfehlungen für Pfahlgründungen (bei Stützmauern mit Pfählen)
Zugehörige Fachleistungen
Baugrunderkundung mit Rammkernsondierung
Erfassung der Schichtgrenzen und Bodenkennwerte bis 12 m Tiefe, speziell abgestimmt auf den weichen Marschboden in Bremerhaven.
Erddruckermittlung und Gleitsicherheitsnachweis
Berechnung des aktiven, passiven und Ruhedrucks nach DIN 4085, inkl. Gleitsicherheit und Kippnachweis für Stützmauern bis 5 m Höhe.
Grundwassermonitoring und Dränplanung
Messung des Porenwasserüberdrucks über 72 Stunden und Dimensionierung von Hinterfüllungsdränagen zur Reduktion des hydrostatischen Drucks.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Welche Bodenarten sind in Bremerhaven für die Stützwandbemessung besonders kritisch?
Besonders kritisch sind die mächtigen Klei- und Torfschichten, die in der Marsch unterhalb von etwa 2 Metern Tiefe auftreten. Sie haben eine geringe Scherfestigkeit (φ' um 20°) und neigen zu Konsolidationssetzungen. In der Hafencity kommen zudem Auffüllungen mit Bauschutt und Schlacken vor, deren Tragverhalten schwer vorhersagbar ist.
Welche Normen und Richtlinien gelten für die Stützwandbemessung in Bremerhaven?
Maßgeblich ist der Eurocode 7 (EN 1997-1:2004) in Verbindung mit DIN 1054 und DIN 4085. Für den Nachweis der Gleitsicherheit und Kippsicherheit wird zusätzlich die EA-Pfähle (2014) herangezogen, wenn die Stützmauer auf Pfählen gegründet wird. Die ZTV-ING geben Hinweise zur Ausführung im Verkehrswegebau.
Wie viel kostet eine Stützwandbemessung mit Baugrunderkundung in Bremerhaven?
Der Kostenrahmen für eine vollständige Stützwandbemessung inklusive drei Rammkernsondierungen, Laborversuchen und statischem Nachweis liegt zwischen 920 und 4.020 Euro, abhängig von Wandhöhe, Aufschlussanzahl und erforderlichen Zusatzversuchen wie Triaxial- oder Konsolidationsversuchen.
Warum ist der Grundwasserstand in Bremerhaven ein besonderes Risiko für Stützmauern?
Der Grundwasserflurabstand liegt in weiten Teilen Bremerhavens unter 1,5 Metern. Bei Regenereignissen steigt der Porenwasserüberdruck schnell an, was den aktiven Erddruck um bis zu 30 Prozent erhöht. Ohne Berücksichtigung dieses Effekts in der Stützwandbemessung kann es zu horizontalen Verschiebungen kommen, die die Nutzbarkeit der Wand beeinträchtigen.