In Bremerhaven begegnen wir in der Praxis oft einer typischen Herausforderung: Der Untergrund aus sandigen und tonigen Schichten der Wesermarsch reagiert empfindlich auf Wasserzutritt und bauliche Eingriffe. Bei jedem größeren Projekt in Hafennähe oder an den Geesthängen der alten Flussläufe sehen wir, dass eine gründliche Rutschungsbewertung unverzichtbar ist. Unsere Erfahrung zeigt, dass ohne gezielte Untersuchungen der Scherfestigkeit und des Porenwasserdrucks spätere Hangbewegungen im Bauzustand fast vorprogrammiert sind. Wir kombinieren dazu die Feldaufnahme mit einer geotechnischen Instrumentierung sowie der Stabilitätsanalyse von Böschungen nach Eurocode 7, um belastbare Sicherheitsfaktoren zu ermitteln.

Die kritischste Phase für Böschungen in Bremerhaven ist der erste Starkregen nach dem Bodenaushub – dann entscheidet die Qualität der Rutschungsbewertung.
Methodik und Umfang
- Geländeaufnahme und Kartierung von Rissbildungen im betroffenen Hangbereich
- Beprobung und Klassifikation der bindigen Schichten im Labor
- Berechnung der Gleitkreise nach Bishop und Janbu unter Berücksichtigung von Teilsicherheitsbeiwerten
Lokale Besonderheiten
Ein konkretes Beispiel: Für ein Wohnbauprojekt an der Kistlerstraße in Bremerhaven erstellte ein Vorgutachter eine Standsicherheitsberechnung auf Basis von Literaturwerten. Nach dem ersten Starkregen im Bauzustand zeigten sich Setzrisse im angrenzenden Gehweg, und die Böschung begann sich um wenige Zentimeter zu verschieben. Wir übernahmen die Rutschungsbewertung mit erneuter Geländeaufnahme und rückwärtiger Berechnung der tatsächlichen Scherparameter. Die Nachrechnung ergab einen Sicherheitsfaktor von nur 1,05 – deutlich unter dem erforderlichen Wert. Durch den Einbau einer Dränage und leichte Abflachung der Böschung konnte das Projekt gerettet werden, aber die Verzögerung kostete den Bauherren mehrere Wochen.
Benötigen Sie eine geotechnische Bewertung?
Antwort innerhalb von 24h.
E-Mail: kontakt@geotechnik.sbsGeltende Normen
DIN 4084 (Gelände- und Böschungsbruchberechnungen), Eurocode 7 (EN 1997-1:2004), DIN EN ISO 14688 (Bodenklassifikation), DIN 4020 (Geotechnische Untersuchungen)
Zugehörige Fachleistungen
Geotechnische Erkundung von Hängen
Bohrungen, Schürfgruben und direkte Scherversuche an ungestörten Proben zur Ermittlung der tatsächlichen Festigkeitsparameter im betroffenen Hangbereich.
Numerische Standsicherheitsanalyse
Berechnung von Gleitkreisen, Lamellenverfahren (Bishop, Janbu) und Finite-Elemente-Modellen zur Bestimmung des Sicherheitsfaktors unter verschiedenen Lastfällen.
Überwachung und Monitoring
Installation von Inklinometern und Piezometern zur Langzeitüberwachung der Hangbewegungen und des Porenwasserdrucks während und nach der Bauphase.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Wann ist eine Rutschungsbewertung in Bremerhaven gesetzlich vorgeschrieben?
Eine Rutschungsbewertung ist Pflicht, wenn bauliche Anlagen in Hanglagen oder in der Nähe von Böschungen mit einer Neigung über 15 Grad errichtet werden sollen. Die Bauaufsicht Bremerhaven fordert gemäß der Landesbauordnung einen Standsicherheitsnachweis, der auf einer geotechnischen Untersuchung nach DIN 4020 basiert. Auch bei Küstenschutzmaßnahmen und Hafenanlagen ist die Bewertung zwingend erforderlich.
Welche Kosten verursacht eine Rutschungsbewertung in Bremerhaven?
Die Kosten für eine Rutschungsbewertung in Bremerhaven liegen je nach Umfang der Feldarbeiten und Laboruntersuchungen zwischen 900 und 3.870 Euro. Bei komplexen Hängen mit mehreren Bohrungen und numerischen Berechnungen kann der Betrag höher ausfallen. Eine genaue Kostenermittlung erfolgt nach einer ersten Besichtigung des Geländes.
Wie lange dauert eine Rutschungsbewertung?
Die Dauer hängt stark von der Zugänglichkeit des Geländes und der Anzahl der erforderlichen Aufschlüsse ab. In der Regel rechnen wir für eine einfache Bewertung mit zwei bis drei Wochen, bei umfangreichen Hanguntersuchungen mit bis zu sechs Wochen. Die Laborversuche zur Bestimmung der Scherparameter binden den größten Zeitanteil.
Was unterscheidet die Rutschungsbewertung von einer normalen Baugrunduntersuchung?
Während eine Baugrunduntersuchung die allgemeine Tragfähigkeit und Schichtung des Bodens erfasst, konzentriert sich die Rutschungsbewertung auf die Standsicherheit von Hängen und Böschungen. Sie umfasst spezifische Berechnungsverfahren wie Gleitkreisanalysen, die Ermittlung des Porenwasserdrucks und die Berücksichtigung von Teilsicherheitsbeiwerten. Zudem fließen Geländebegehungen und die Kartierung von Rissbildungen ein.