Als wir für einen Logistikneubau im Fischereihafen eine Baugrube öffneten, kam direkt unter der Asphaltdecke ein Gemisch aus Torf, Klei und Sand zum Vorschein. Genau hier liegt die Herausforderung in Bremerhaven: Der Boden wechselt auf kurzer Distanz zwischen weichplastischen marinen Sedimenten und aufgefüllten Hafenflächen. Eine Schürfgrube gibt uns die Möglichkeit, diese Schichtung mit eigenen Augen zu sehen und zu beurteilen, wo tragfähiger Baugrund beginnt. Vor jeder Sondierbohrung legen wir die Grube so an, dass spätere Ramm- oder Drucksondierungen optimal positioniert werden können. Bei Bedarf kombinieren wir die visuelle Ansprache mit einem georadar, um Auffälligkeiten im Untergrund großflächig zu kartieren, bevor die Sondierungen starten.

In Bremerhaven wechselt der Boden auf kurzer Distanz zwischen Torf, Klei und Sand – die Schürfgrube zeigt, was wirklich im Untergrund steckt.
Methodik und Umfang
- Freimessen des Ansatzpunktes mit GPS und Sicherung der Leitungen
- Baggeröffnung in Stufen von 0,5 m mit seitlicher Lagerung des Aushubs
- Klassifikation nach DIN 4023 und Entnahme von Eimerproben
- Einbau einer Dichtungssohle aus Geotextil zur Trockenhaltung während der Aufnahme
Lokale Besonderheiten
Ein häufiger Fehler in Bremerhaven ist es, die Schürfgrube nur bis zum ersten Grundwasseranschnitt zu treiben. Dann fehlt die Information über die Mächtigkeit der bindigen Deckschicht. Baut man später eine Flachgründung auf diesen Horizont, sackt das Bauwerk beim Absinken des Grundwasserspiegels ungleichmäßig ab. Wir öffnen die Grube grundsätzlich bis zum gewachsenen Sand oder bis zur wasserführenden Schicht – notfalls mit einer Sümpfungspumpe und standsicheren Verbau. Nur so erhalten wir die Daten, die für die Tragfähigkeitsermittlung nötig sind.
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DIN 4020 (Geotechnische Untersuchungen), DIN EN 1997-2 (Eurocode 7 – Erkundung und Prüfung), DIN 4023 (Zeichnerische Darstellung von Schichten), DIN 18127 (Proctorversuch)
Zugehörige Fachleistungen
Sondierbohrung und Rammsondierung
Tiefe Aufschlüsse bis 20 m mit DPH oder schwerer Rammsonde zur Ergänzung der Grubenbefunde.
Bodenklassifikation nach DIN 4023
Feldansprache aller Schichten mit Farbe, Konsistenz, Korngröße und organischen Anteilen.
Wasserdruckmessung und Durchlässigkeit
Bestimmung des Grundwasserstandes und der Durchlässigkeit (kf-Wert) direkt in der Grube.
Probennahme fürs Labor
Gewinnung von gestörten und ungestörten Proben für Kornverteilung, Glühverlust und Triaxialversuch.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Bis in welche Tiefe kann eine Schürfgrube in Bremerhaven sinnvoll angelegt werden?
Bei den typischen weichen Böden in Bremerhaven (Klei, Torf) sind 3,0 bis 3,5 Meter die wirtschaftliche Grenze. Darunter steigt der Grundwasserdruck so stark, dass eine aufwändige Verbauung nötig wird. Für tiefere Horizonte setzen wir Sondierbohrungen oder Drucksondierungen ein.
Muss die Schürfgrube nach der Untersuchung besonders verfüllt werden?
Ja. Wir verfüllen lagenweise mit dem ursprünglichen Aushub, verdichten jede Lage auf 97 % Proctordichte. Bei organischen Böden (Torf) ersetzen wir den Aushub durch Sand-Kies-Gemisch, um Setzungen nach der Verfüllung zu vermeiden.
Wie lange dauert die Feldarbeit für eine Schürfgrube auf einem Hafengrundstück?
Für eine Standardgrube mit Bagger, Fotodokumentation und Probennahme rechnen wir mit vier bis fünf Stunden. Zwei bis drei Gruben pro Tag sind realistisch, wenn die Fläche zugänglich ist und keine Leitungen umverlegt werden müssen.